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Holger Barczaitis
TM1 Freelancer
Senior BI Consultant


Holger.Barczaitis@tm1pro.de
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Was ist überhaupt TM1?

TM1 ist ein Planungs-, Forecasting- und Reportingtool für all die Aufgaben, für die man üblicherweise Excel verwendet. Mit dem TM1-Excel-Add-In wird Excel mit der TM1-Datenbank verbunden, so dass Sie in Excel online mit Kollegen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten können. Alle arbeiten dabei mit der selben Datenbank, die bei Bedarf durchaus bis zu mehreren Terabyte groß sein kann. Durch die Verwendung von TM1 können Sie die Vorteile einer zentralen Datenbank mit dem vollen Funktionsumfang von Excel verbinden:
  • Sie können Rechenformeln direkt in der TM1-Datenbank hinterlegen. Dadurch vermeiden Sie inkonsistente Ergebnisse aufgrund von fehlerhaften Kalkulationsblättern.
  • Sie können in Excel Web-Sheets erstellen und ins Intranet hochladen. So können Sie zusätzlich auch mit Nicht-Excel-Benutzern zusammenzuarbeiten.
  • Ein mächtiges ETL-Tool zum Datenaustausch mit Ihrem Data Warehouse oder ERP-System ist ebenfalls Bestandteil von TM1.
  • TM1 unterstützt Single Sign on, SSL und SAP Secure Network Communication.
Typische Beispiele für TM1-Anwendungen:
  • Vertriebsplanung
  • Integrierte Unternehmensplanung
  • Kostenstellen- / Kostenartenrechnung
  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Bilanz
  • Management Dashboard

Wie alles begann

Die Abkürzung TM1 steht für "Table Master One". TM1 wurde in den frühen achtziger Jahren von einem Mann namens Manny Perez entwickelt, der zu dieser Zeit bei Exxon in New York als IT-Spezialist im Supply Chain Management arbeitete. Die Abteilung verwendete eine zeilenorientierte IBM-Mainframe-Anwendung, die teuer, langsam und für ihren Zweck nicht allzu praktisch war.

Die Idee, die bei Exxon damals aufkam, um die Situation zu verbessern, bestand aus zwei Aspekten: Erstens, wenn man eine Datenbank entwickeln könnte, die zellorientiert statt zeilenorientiert wäre, hätte diese einen deutlich geringeren Speicherbedarf und man könnte den knappen Arbeitsspeicher des Mainframe-Servers viel effektiver nutzen. Und zweitens könnte die Anwendung noch schneller werden, wenn man sowohl die Datenbankstruktur als auch die Daten in dem eingesparten Arbeitsspeicher halten könnte, anstatt fortwährend auf die Festplatte zu schreiben und zu lesen.

Wie erwähnt, war dies damals die IBM Mainframe-Welt: Alle Berechnungen passierten auf einem Server, die Workstations lösten lediglich Berechnungen aus und zeigten das Ergebnis auf dem Bildschirm an. Kurz nach der Erfindung der mehrdimensionalen Datenbankarchitektur kündigte IBM dann den "Personal Computer" an, den PC, und die Entwickler begannen, kommerzielle Software für PCs zu schreiben. Planungsfachleute und Controller verwendeten schon bald sehr gerne lokale Tabellenkalkulationsanwendungen für ihre tägliche Arbeit, da diese eine Vielzahl flexibler und kreativer Berechnungsmethoden zur Verfügung stellten.

Ein Problem war jedoch damals schon das gleiche wie heute: Die Daten wurden lokal in der Kalkulationsdatei gespeichert, und wenn man sie jemandem übermitteln wollte, musste man Kalkulationsblätter verschicken. Sie konnten (und können) bei dieser Architektur nie ganz sicher sein, dass Sie im Besitz der neuesten Version der zugrunde liegenden Daten sind. Vielleicht kennen Sie diese Review Meetings, die mit einer längeren Diskussion darüber beginnen, welche Version der von den Teilnehmern mitgebrachten Verkaufszahlen tatsächlich die richtige ist.

Jeder, der einige Zeit als Business Intelligence-Berater gearbeitet hat, kann vermutlich bestätigen, dass es eine verblüffend große Anzahl von ernst zu nehmenden Firmen gibt, bei denen wichtige Daten in Tabellen gespeichert werden, die sich vielleicht sogar auf einem lokalen Computer befinden, anstatt an einem zentralen Ort auf dem Netzwerk oder in der Enterprise Cloud, wo jeder Zugriff hat.

Hier kommt TM1 Perspectives ins Spiel: Wenn Sie die TM1-Datenbank aus der Perspektive einer Tabellenkalkulation betrachten, fällt auf, dass die Daten in einer mehrdimensionalen Datenbank, anders als in einer relationalen Datenbank,  nicht zeilenorientiert, sondern zellorientiert strukturiert sind, genau wie in einer Excel-Tabelle. Aus genau diesem Grund kann man die Zellen eines Arbeitsblatts mit Hilfe eines Add-Ins direkt mit einer multidimensionalen Datenbank verknüpfen. Jede Zelle enthält dann nicht mehr eine Zahl, sondern eine Formel, mittels welcher die Zahl aus der entsprechenden Zelle der multidimensionalen Datenbank gelesen und angezeigt wird. Wenn die Berechtigungen entsprechend gesetzt sind, kann man die Zahl in der Datenbank aus Excel heraus sogar direkt überschreiben, was die Sache perfekt macht für Planungsapplikationen.

Die Excel-Tabelle wird also zum Datenbank-Interface und bietet gleichzeitig weiterhin all die herrlichen Funktionen einer Spreadsheet-Software.

Sinper, TM1 Software, Applix, Cognos und IBM

Manny Perez verließ Exxon und gründete zusammen mit einem Kollegen ein Unternehmen namens Sinper, das sich auf die Entwicklung von TM1 konzentrierte. Nach einiger Zeit wurde ihnen klar, dass es sinnvoller wäre, ein Add-In für die zu diesem Zeitpunkt am häufigsten verwendete Tabellenkalkulationsanwendung Lotus 1-2-3 zu entwickeln, anstatt eine proprietäre TM1-Tabelle zu verwenden. Der technische Fortschritt brachte bald die Client-Server-Architektur hervor, und daraufhin nahm der Erfolg von TM1 einigermaßen Fahrt auf, wiewohl es immer noch ein Nischentool blieb für spezialisierte Fanatiker, hauptsächlich in den Finanz- und Controllingabteilungen. 1996 wurde der Nachfolger von Sinper, "TM1 Software", von einer Firma namens Applix gekauft, die 2007 von Cognos gekauft wurde, welche wiederum nur wenige Monate später von IBM gekauft wurden.

In den Nuller-Jahren bemühten sich mehrere große Anbieter von ERP-Software um ein solches multidimensionales "Beiboot", mit dem die Kunden im Planungs- und Berichtswesen performant und flexibel die Zahlen aus dem ERP-Supertanker bearbeiten können sollten: Oracle erwarb Essbase, SAP kaufte Business Objects, Microsoft integrierte Panorama Software und nannte das Produkt SSAS, und die IBM erwarb Cognos und damit TM1.

Der vollständige Name des Produkts lautet daher seit 2007 IBM Cognos TM1. IBM im Markennamen zu haben, hat TM1 sehr geholfen, da sich Manager besonders in großen Unternehmen viel wohler fühlen, wenn der Name eines Softwareprodukts zwei oder drei bekannte Buchstaben wie MS, SAP oder eben IBM enthält.

Was beim Marketing hilfreich war, war bei der Produktentwicklung nicht immer gleichermaßen positiv. Es ist ein sehr weiter Weg von der kleinen One-Man-Show eines einzelnen Mannes mit brillanten Ideen hin zu einer großen Software-Gruppe wie IBM, und einige der brillanten und charmanten Details laufen Gefahr, in den unerfindlichen Prozessen von Big Blue verloren zu gehen. Einige Konkurrenten haben in der Zwischenzeit wunderbare Funktionen entwickelt, auf welche die TM1-Benutzer einige Zeit warten mussten und dies zum Teil immer noch tun. Es gibt Leute, die nachdrücklich dafür stimmen, dass TM1 den IBM-Tanker wieder verlassen sollte, aber ich bin noch nicht ganz sicher, ob das wirklich eine gute Idee wäre.

Sie können die ganze Geschichte auf der Site der Firma Cubewise lesen, eine Site, auf der es sich übrigens lohnt, nach Tipps und Tricks, Open-Source-Tools und kommerzieller Software rund um TM1 zu suchen. Manny Perez ist heute ebenfalls bei Cubewise und steckt nach wie vor voller guter Ideen, wie man TM1 nach all den Jahren noch verbessern könnte.

Lassen Sie mich einen Aspekt hervorheben, bei dem TM1 nach wie vor ungeschlagen ist: Performance, insbesondere bei umfangreichen Datenmodellen. Ich arbeite seit einigen Jahren für einen Kunden mit einer der größten TM1-Landschaften Deutschlands. Groß bedeutet etwa 4,7 Terabyte belegter Arbeitsspeicher, darunter eine Datenbank mit 600 GB RAM, ein Sales-Cube mit 95 GB RAM und Dimensionen wie 350.000 Kunden und 640.000 Produkten. Dennoch: Die Neuberechnung in jedem einigermaßen vernünftig strukturierten View dauert weniger als eine halbe Sekunde.

Ich halte TM1 nach wie vor für ein brillantes Produkt, und das finden auch die ungefähr 1.400 Benutzer, die wir derzeit unterstützen. Es ist vielleicht nicht ganz so sexy wie manche anderen neuen Produkte. Es gibt auch im BI-Umfeld Entwicklungen wie Predictive Software und künstliche Intelligenz, oder auch allerlei attraktive Dashboarding- und Data-Mining-Software, mit der man zweifellos grandiose Dinge tun kann. Dennoch halte ich TM1 für unübertroffen für die tägliche Arbeit in Controlling und Planung: TM1 ist schnell, stabil und zuverlässig. Das Excel-Add-In ist intuitiv, über viele Jahre bewährt und sehr benutzerfreundlich. Und ich höre nicht auf zu hoffen, dass die neue TM1-Generation "Planning Analytics" in naher Zukunft dem hervorragenden Ruf von TM1 aus all den Jahren gerecht werden wird.

Es gibt bereits gute Anzeichen dafür.
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